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16.6.2014

Armen Avanessian

Tempusphilosophie

Öffentliches Kolloquium (Seminar Markus Gabriel)
Institut für Philosophie der Universität Bonn / Internationales Zentrum für Philosophie NRWPappelsdorfer Allee 2853115 Bonn
 
Aus der Warte einer philosophischen Poetik betrachtet ist literarisches Schreiben eine eigenständige (sprachliche) Denkform, deren eigentümlicher Wahrheitsanspruch weit über Fragen des Stils, der Ausdruckskraft, der Fiktion hinausgeht. Im Gegensatz zu ästhetischen oder zahlreichen zeitphilosophischen Ansätzen, die eine vorsprachliche Erfahrung von Zeit annehmen, schlage ich einen tempusphilosophischen Ansatz vor. Eine entsprechende poetische Theorie stößt notwendigerweise auf die philosophische Frage bis zu welchem Grade unser Zeitverständnis sprachlich, und d.h. durch die Grammatik des Tempus strukturiert ist.
Im Vordergrund meines Vortrags wird die Analyse der (literatur)historischen Dominantenverschiebung zwischen den beiden vorrangigen Romantempora (Präteritum und Präsens) stehen, an der sich der Übergang von einer Grammatik des Tempus zu einer Poetik der Zeit manifestiert.