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15.12.2013

Abyssus Intellectualis - Spekulativer Horror

Buchvorstellung mit Armen Avanessian, Ray Brassier, Björn Quiring und Alex Williams
18:00Merve Crellestraße 2210827 Berlin
 
Was, wenn es den Menschen eines Tages nicht mehr gibt? Wird diese Möglichkeit nicht mit jedem Tag plausibler? Aber wie kön­­­nen wir so etwas denken wie ein endgültiges
Ende des Den­kens? Welchen Zugang haben wir zu unserem eigenen Nicht­sein? Woher wissen wir überhaupt, dass unsere Unter­schei­dung von Tod und Leben für die Dinge
dieser Welt wirklich relevant ist? Vielleicht sind die Personen und Gegenstände, mit denen wir täg­lich umgehen, viel toter oder lebendiger als wir ahnen?

Die in dem Band Abyssus Intellectualis. Spekulativer Horror versam­mel­ten Beiträge
sind nicht auf einen gemeinsamen inhaltlichen The­­­menkatalogoder gar eine allen
gemeinsame These zu re­du­­zieren. Stattdessen stellen die präsentierten Texte eine
– auch methodische – Herausforderung für das Nachdenken über und mit Literatur dar.
Der Spekulative Realismus zieht aus der of­fen­­kun­dig seltsamen Nähe von Realismus
und Horror die phi­lo­­so­phi­sche Konsequenz, dass unsere Normalität am ehesten
noch aus dem Phantastischen und Seltsamen heraus zu ver­ste­hen ist. Gravierend sind
die Konsequenzen auch für ein spe­ku­la­tiv-poe­ti­sches Denken, das die
Herausforderung des Hor­rors anzu­neh­men versucht: Literarischer Horror ist ein
Ver­such, den Hyper-Kor­relationismus der Ästhetik – und ihrer (un)hei­ligen Trias
von Sub­jekt, Objekt und ästhetischer Erfah­rung – zu sprengen.

Gedankenexperimente über Welten ohne Menschen oder Zeit­reisen in eine Zukunft, die
sich als Vergangenheit her­aus­stellt, sind nur zwei der spekulativen Figuren, die
einen kriti­schen Kreuzungspunkt von Horror und zeitgenössischer Meta­phy­sik
ausmachen. Gerade die Beschäftigung mit Horror zeigt, inwiefern die gegenwärtige
Philosophie und Poetik sich in einem gemeinsamen spekulativen Zeitverständnis
tref­fen. In Differenz etwa zur von Dietmar Dath herausgearbeiteten ästhetischen
Drastiksekunde[1], zur Gegenwartsemphase der aktu­ellen Hochliteratur und zur
Zukunftsvernarrtheit der gän­gi­gen Science Fiction haben wir es im cosmic horror
mit einer Poiesis unmöglicher Zeit zu tun. Spekulativer Horror zeigt uns, dass, mit
Meillassoux gesprochen, auch die Vergangenheit unvor­­hersehbar ist, und er eröffnet
auf diese Weise seltsame Per­­spektiven auf unsere reale Abwesenheit sowie die
unvor­her­ge­sehene Kontingenz der Welt. (aus der Einleitung von Armen Avanessian
und Björn Quiring)