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5.7.2013

Mariama Diagne, Kristina Mendicino

Pas de Deux – Zum poetischen 'Schritt zu Zweit' in Choreo/graphien

Workshop
12:00-16:00SFB SitzungsraumAltensteinstraße 2-414195 Berlin
 
Der Terminus „Pas de Deux" stammt aus dem akademischen Tanz und verweist zunächst wörtlich auf ein tänzerisches „Schritte Setzen zu Zweit". Aufbau und tänzerische Form eines Pas de Deux wie er in klassischen Handlungsballetten exerziert wird, bedingen einer alle Ebenen der Orchestrierung von Schritten umfassenden Symmetrie – vermittelt über zwei miteinander, nacheinander oder nebeneinander tanzende Körper.
Im Jahr 1953 choreographierte Jerome Robbins den Pas de Deux Afternoon of a Faun zur sinfonischen Dichtung L'après midi d'un faune von Claude Debussy (1894). Ein Tänzer und eine Tänzerin befinden sich in einem mit einer Spiegelwand versehenen Probensaal. Gebannt von dem jeweils eigenen Spiegelbild entsteht ein Tanz zu zweit. Robbins grenzt sich mit seiner Interpretation choreografisch stark von dem der Komposition zugrunde liegenden gleichnamigen Gedicht (1865) Stéphane Mallarmés um die Figur eines Faun ab, sowie von dem 1912 entstandenen Ballett des Tänzers und Choreografen Vaclav Nijinskys, konzipiert für einen Faun und sieben Nymphen. Durch das Spiel mit Symmetrie, Asymmetrie und Spiegelung könnte Afternoon of a Faun vielmehr als ein narzisstische Züge der Figuren herausstellendes Solo verstanden werden, in dem im Träumerischen aus der Begegnung mit „dem Anderen" ein Begegnen mit „dem Eigenen" entwickelt wird.
Paul Valéry schrieb 1912–1917 sein in einer seiner zahlreichen Notizen zum Gedichtzyklus als eine „orchéstique" bezeichnetes Gedicht La jeune Parque. Der Monolog der Parque (zu deutsch Die junge Parze) entwickelt sich in Distichen, in und durch die „Andere" – vor allem eine Schlange – in der Sprechbewegung der Parze verschlungen werden, ohne jedoch von dem rein textuellen corpus der Parze als ein eigenständiges "Zweites" unterscheidbar zu sein. Stattdessen wird in diesen Versen sowohl jedes Verhältnis zwischen Zweien als auch die Einheit der "einzelnen" Figur oder sprechenden Instanz radikal in Frage gestellt. Valérys Denken und Dichten in choreographischen Strukturen, wie sie in La jeune Parque lesbar werden, gilt es genauer zu untersuchen.
Sowohl im Gedicht Valérys als auch in der Choreographie Robbins lassen sich auf den strukturgebenden Ebenen Asymmetrien entdecken, die ein Changieren zwischen Einheit und Zweiheit und Formen der Bezuglosigkeit Zweier zueinander erzeugen. Dieses Changieren verweist dabei auf das Üben, das Exerzieren von Schritt- und Wortkombinationen, dem sowohl Robbins Choreographie, als auch Valérys Dichtung zugrunde liegen.
Ziel dieses Workshops ist das Entdecken und Reflektieren von Verfahren der Verflechtung choreografischer Strukturelemente in Tanz und Lyrik, deren Anordnung im Pas de Deux Robbins sowie im Gedicht Valérys Sehnsuchts- und Begehrensräume artikulieren – Räume, in denen durch Asymmetrie ein permanentes Oszillieren zwischen körperlich Erlebtem und Geträumtem herrschen. Die Auseinandersetzung mit beiden Kunstformen – dem Tanz und der Poesie – findet im gemeinsamen Dialog der Disziplinen und Sprachen statt. Dementsprechend werden in dem Workshop die englischsprachige Auseinandersetzung der Germanistin Kristina Mendicino mit dem Gedicht La jeune Parque und die deutschsprachige Lektüre der Tanzwissenschaftlerin Mariama Diagne mit dem Ballett Afternoon of a Faun zur Diskussion bereit gestellt.
Der Workshop findet auf engl. und deutsch statt.
Aus Platzgründen bitten wir um vorherige Anmeldung per eMail an:
mariama.diagne@fu-berlin.de
Die den Workshop begleitenden Texte der Autorinnen sind im Entstehen und werden angemeldeten Teilnehmenden zeitnah zugesandt.