*

Überschrift

Ethik des Wissens - Poetik der Existenz
Armen Avanessian
 
Abstrakt Drucken
 
Dieses Buch geht von der Annahme aus, dass die Universität eigentlich der Ort sein sollte, der kreatives Arbeiten, individuelle Freiheit und ein selbstbestimmtes Forschen ermöglicht. De facto lässt der Diskurs der Universität jedoch, so schon Lacan, dem Hass freien Lauf. Und unter den in jeder Hinsicht vom allgemeinen Innovationsdruck überforderten und von Scham über ihr ständiges Ungenügen geplagten Akademikern grassiert die Depression. Diese Bestandaufnahme gilt generell für eine expanded academia, deren immerzu kritischer Krisendiskurs dem gegenwärtigen ästhetischen Geist des Kapitalismus so zuträglich ist.
Gegen die allgemeine, und seit 1800 von den Universitäten in die Gesellschaft getragene Ästhetisierung (die andauernde absurde Forderung nach criticality und Authentizität in ausschließlich aus karrieristischen Motiven verfassten Qualifikationsschriften und Konferenzbeiträgen!) bringt vorliegende Streitschrift eine Poetik der Existenz ins Spiel. Dabei geht es um die Herstellung eines Wissens, das die ethische Selbstbildung eines Subjekts impliziert, das nicht von seinem spekulativem Begehren nach Wahrheit ablassen will. In der Produktion von Wahrheit, als poietische Subjekte des Wissens, stehen wir nicht in neurotischer Angst vor einem höheren Gesetz und leiden auch nicht depressiv an unseren Unvermögen. Die Entwicklung einer Wahrheit scheitert nicht an intellektuellen Defiziten, sondern berührt die ethische Dimension des Wissens. Sie beginnt mit einer neuen und notwendig konfliktgeladenen Weise des Schreibens oder künstlerischer bzw. philosophischer Produktion und führt zur Erschaffung einer ethischen Position, die uns den Mut gibt, dem Druck der Gegenwart zu widerstehen.

 
Erschienen November 2014 • ISBN 7654322 • 18,00 €