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Zeit und Verb

(Übersetzung aus dem Französischen)
Gustave Guillaume
Bernd Klöckener (Übersetzer)
Esther von der Osten (Übersetzer)
mit einem Vorwort von Elisabeth Leiss und einem Nachwort von Armen Avanessian
 
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Gustave Guillaume (1883-1960) ist als zentraler Vertreter der Linguistik und zugleich als Herausforderung für eine noch immer von einer einseitigen Lesart Saussures vereinnahmten kontinentalen Theoriebildung wiederzuentdecken. Ziel der erstmaligen Übersetzung eines seiner Hauptwerke ist es, auch im deutschsprachigen Theoriekontext eine gebührende Rezeption zu ermöglichen. In der französischen (Deleuze), italienischen (Agamben) aber auch anglo-amerikanischen (Coetzee) Literaturwissenschaft und Philosophie wurde und wird Guillaumes sprachtheoretischer Einsatz immer wieder an für die jeweilige Theoriebildung besonders markantenTextstellen diskutiert.

Was die Arbeit Guillaumes vor allem auszeichnet, ist die Verbindung einer minutiösen Beschreibungen des grammatischen Baus der Sprache mit sprachphilosophischen Grundfragen und psychosemantischen Überlegungen. Guillaume entwickelt die Grammatik als jenes Zwischenfeld zwischen lautlicher und der bedeutender Seite der Sprache, das einer zum Gemeinplatz verkürzten strukturalen Sichtweise gemäß nur durch arbiträre Konventionen bestimmt ist. Der Erwerb der Sprache gilt ihm als Aufbau einer kognitiven Struktur, die als Instrument der Deutung von Realität Verwendung findet. Noch bevor die Sprache gesprochen und zur Kommunikation über die Welt gebraucht wird, hat sie bereits ein gemeinsames Vorverständnis geschaffen. In der Entwicklung dieses Vorverständnisses geht die Sprache selbstreflexiv, innovativ und das bedeutet poetisch, vor .In diesem Sinne ist Guillaumes Linguistik als Projekt einer "Poetik der Grammatik" einzuschätzen.

 
Erschienen November 2014 • ISBN 9783123450044 • 24,95 €